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1839

1839a) war die Witterung im Frühjahre sehr günstig, nur im Juni

als Hauptmonat naß, so daß man nur schwerlich und mit

vieler Mühe die Ländereien bestellen konnte. Dagegen wieder

im Anfang Herbst sehr gewünscht, daß gleichsam ein zweiter

Frühling einzutreten schien und die Früchte jeder Art

gleichsam spielend eingescheuertb) werden konnten. Auch

war die Luft so warm und milde, daß man im December

noch keinen Winter hinsichtlich der sonstigen Kälte vor

der Thür schon zu haben glaubte, weil der Ackermann

noch immerhin ungestört die Brache pflügen konnte.

Die Erndte war aber nicht so ergiebig, wie man geglaubt

und erwartet hätte. Besonders schlecht ist der Weizen

gerathen, weil der Rest darin gefallen war, so daß

die Körner halb verquinenc) und ganz verkümmert und

elend aussehen. Nicht mindern Schaden hat die Gerste

erlitten, weil zuerst - wie schon eben gesagt - die Saat-

zeit oder vielmehr die Einsaat, das Säen verspätet wurde

und nachher eine zu große Dürre erfolgte, welche

die später gesäete Frucht nicht aufkommen ließ.

Und was die Roggenfrucht betrifft, so schadete dieser

besonders der Schneckenfraß, welcher manche Stücke

ganz total verheerte.

 

Dagegen war die Kartoffeln-Erndte sehr gut,

so wohl rücksichtlich der Witterung als des Ergeb-

nisses. Und besonders gedieh das Obst sehr gut und der

angenehme Preiß so wie der Abgang der Guetschend)

erfreuee den Anbau, denn der Zentner kostete hier

gedürret 5 Reichstaler Courant.

Auch die Kriegsrüstung gegen Belgigene) munterte

den Ackersmann auf, weil dadurch die Kornpreise sich

noch in der vorigjährigen Taxe hielten, so daß der

Scheffel (Salzkötter Gemäß)

a. Weizen 2 Reichstaler 3 Silbergroschen,

b. Roggen 1 Reichstaler 10 Silbergroschen,

c. Gerste 26 Silbergroschen,

d. Hafer 17 Silbergroschen,

e. Linsen 1 Reichstaler 10 Silbergroschen,

f. Erbsen 1 Reichstaler 12 Silbergroschen  6 Denar,

g. Rauhfutter 1 Reichstaler 2 Silbergroschen 6 kostete.

Aber der allgemeine Ruf zum Kriege verursachte doch

große Trauer überall, weil jeder sein bisher in Ruhe

genossenes Glück nun auf einmal zu verlieren befürchtete.

Auch manchen Eltern drückte der Kummer ihre Kinder,

wiewohl der Obrigkeit genau folgsam, doch ungern

dem Blutvergießen Preis zu geben. Es wurden nun

hiezu am 16ten Februar currentisf) nachstehende Reserve-

Mannschaften eingefordert:

 

Johann Brinkmann, 2. Ignatz Krevet, 3. Bernard Dienstlake,

4. Joseph Grewe. Doch war es im Plane der göttlichen Vorse-

hung ganz anders wie die Menschen ahnten beschlossen. Denn

bald wurde wieder zwischen den feindlichen Monarchen Friede

geschlossen und jeder kehrte freudenvoll in die Arme seiner

betrübten Eltern und Freunde an sein voriges Geschäft

zurückg). Auch traf hiesigen Ort wie im vorigen

Jahre eine Viehseuche, welche wiederum sehr viele Schweine

dahinraffte. Zwischen dem Hornvieh fand sich eine pest-

artige Krankheit, die aber doch nicht besondern Schaden

anrichtete. Unter den Kindern war ebenfalls eine bös-

artige Krankheit, der sogenannte Stickhustenh), woran

auchi) viele starben.

Besonders eifrig und muthvoll haben sich hiesige Einwohner

bei dem zweimaligen Brande zu Oberntudorf gezeigt.

Daß dieses in Wahrheit beruhe, beweisen die jedesmaligen

zugesandeten Prämien für die hiesige Sprützej), welche 

- wiewohl eine Stunde weit herkommend - doch jedesmal

den zweiten Platz behauptete.

Die Hausbesitzer so wie die Zahl der Miethlinge stimmen

mit der vorigjährigen noch überein. Ueberhaupt hat

hiesige Gemeinde 475. Seelenzahl.

 

Besonders merkwürdig ist die große Kapellen-Repa-

ratur, welche insgesammt 497 Reichstaler 6 Silbergroschen 1 Denar kostet.

Die Steuern sind wie früher und Deficitsteuer brauchte

nicht erhoben zu werden, weil die Kommunal-

Waldung diese ersetzte, deren Holz-Ertrags-Summe

933 Reichstaler 4 Silbergroschen 6 Denar betrug. Die Gemeinde-Rech-

nung schloß ab mit einem Bestande von k)984 Reichstaler 16 Silbergroschen 2 Denark).

Ahden, den 27ten Januar 1840.

Der Pfarrer, Ortsbeamte, Gemeinderath.l)            

 


a)  Unterstrichen.

 

b)  einscheuern (plattdeutsch): einfahren, einscheunen, einsammeln

 

c)  verquinen (plattdeutsch): vergehen, krank werden, verkommen, absterben, dahinsiechen

 

d)  Vermutlich sind hier „Quetschen“, also Zwetschgen gemeint.

 

e)  Gemeint ist natürlich „Belgien“. Danach folgt gestrichen „er“.

 

f)  currentis (lateinisch): dieses Jahres

 

g)  Davor steht gestrichen „wieder“.

 

h)  Veraltetes Wort für „Keuchhusten“.

 

i)  Danach folgt gestrichen „sehr“.

 

j)  Gemeint ist die Feuerwehrspritze.

 

k) - k)  Unterstrichen.

 

l)  Es folgen die Unterschriften des Ortsbeamten Ebers und der Gemeinderatsmitglieder Gehlen, Kreis, Lippe, Ernst, Stelte und Klausmeyer.

 

 

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