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1870


1870.a)

Im Januar dieses Jahrens erhielt hiesige

Gemeinde anstatt des verstorbenen Herrn Kaplan

Johann Schuppmann den bisherigen Kaplan Signore Hochwür-

den Georg Heer, gebürtig aus Westenholz, zu ihrem

Seelsorger.

Da am 18. Juli dieses Jahrs der bisherige Vorsteher

der Gemeinde, Georg Steinkemper genannt Michels,

in Folge eines Blutsturzes starb, so wurde dieses Amt

dem bisherigen Gemeinderathe Joseph Buekerb) genannt

Schultec) übertragen. Weil dieser aber kränklich

und schwächlich war, so hat er in die Gemeinde Chro-

nik nichts eingetragen. Nachdem Joseph Buekerd)

sein Amt niederlegte, wurde Schreiber dieses zum

Gemeinde Vorsteher erwählt. Ich finde mich nun

veranlaßt, die in den vergangenen Jahren vorge-

fallenen Merkwürdigkeiten kurz nachzutragen.

In diesem Jahre entspann sich ein Krieg zwischen

Deutschland und Frankreich, welcher gewöhnlich

der Deutsch-Französische Krieg genannt wird. Die

erfolgreichen Siege, welche Preußen im Jahre

1866 über Österreich und den damit verbündeten

deutschen Fürsten errang, hatten alle Erwar-

tungen Frankreichse) weit übertroffen und die

Eifersucht des Kaisers Napoleonf) im vollen

Maaße angeregt. Dieser schickte deshalb seinen

Gesandten Benedetti zum Könige von Preußen,

welcher zur Zeit sich zu Ems im Bade befand,

mit der Bitte, ihm doch schriftlich zu geben,

daß er sich um die Kandidatur der erledigten

spanischen Königskrone nicht kümmern wolle.

Der König aber merkteg) hieraus einen längst

gesuchten Krieg mit Preußen, worauf er am 15. Juli

nach Berlin reiste. Am 18. Juli erschollh) nun schon

der Kriegsruf, welchem auch folgende Personen

hiesigen Ortes in das Schlachtfeld folgten:

Lorenz Hecker, Werner Wellei), Bernard und Johann

Lottmann, Heinrich Schumacher, Joseph und Werner

Michels, Johann Kersting, Franz Henneböhle,

Bernard und Heinrich Lüekej), Clemens Spenner,

Wilhelm Saake, Georg Richters, Wilhelm Schmidt.

Von den angeführten Personen kehrten zwei ver-

wundetk) aus dem Schlachtfelde zurück. Lorenz

Hecker hatte einen Schuß durch die rechte Hand

erhalten und Werner Wellel) hatte einen Schuß

durch die Wange und einen zweiten durch den rechten

Oberarm. Beide Personen wurden in der Schlacht bei

Mars-la-Tour am 16. August verwundet.

Die deutschen Truppen gingen in diesem Kriege trotz

des hartneckigen Wiederstandes der Franzosen

vom Siege zum Siege und nahmen sogar am

2. September in der Schlacht m)bei Sedanm) den Kaiser Napoleon

gefangen. Da mußte dan der eifersüchtige, stolze

Napoleon, welcher vieleicht Preußen zu vernichten

und über ganz Deutschland zu herrschen sich geplant

hatte, sich seiner Majestät unsers erhabenen Königs

unterwerfen und demüthig höchst derselben sein Rache-

schwert überreichen!

Die Martini Kornpreise waren in diesem Jahre folgende:

Weizen 3 Reichstaler, 2 Silbergroschen

Roggen 2 Reichstaler, 15 Silbergroschen, 9 Denar

Gerste 1 Reichstaler, 25 Silbergroschen, 10 Denar

Hafer, 1 Reichstaler, 2 Silbergroschen, 6 Denar

Kartoffeln 26 Silbergroschen.

n)Nebenbei wird noch vermerkt,

das am 1ten August des Jahrs

unser [...] und hochgeer-

ther Landrath, Freiherr Rein-

hard von und zu Brenken,

und zwar in den Tagen, wo Seine Majestät

König Wilhelm die Landwehr

unter die Gewehre rief, zwischen

Brenken und Büren in Folge Scheuen

der Pferde einen doppelteno)

Beinbruch erlitt

und in Folge dessen

zum größten Leid-

wesen des Kreises

am 1ten Octoberp) [...] mit

Tode abging."n) q)

 


a)  Unterstrichen.

 

b)  Nach heutiger Schreibweise „Büker“.

 

c)  Korrigiert aus „Schulten“.

 

d)  Siehe Anmerkung b).

 

e)  Nachträglich korrigiert.

 

f)  Korrigiert aus „Napoleons“.

 

g)  Danach folgt gestrichen „merkte“.

 

h)  Korrigiert aus „erschloll“.

 

i)  Nach heutiger Schreibweise vermutlich „Wellen“.

 

j)  Nach heutiger Schreibweise „Lüke“.

 

k) Korrigiert aus „verwundete“.

 

l)  Siehe Anmerkung i).

 

m)- m)  Darüber geschrieben.

 

 

n)- n)  Am linken und rechten Seitenrand neben den Kornpreisen vermerkt.

 

o)  Danach folgt gestrichen „Bein“.

 

p)  Korrigiert aus einem unleserlichen Wort.

 

 

q)  Danach folgt die Unterschrift des Ortsvorstehers „Clausmeyer Vorsteher“.

 

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