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Das Dorfgeschehen in Ahden um das Jahr 1928

Im Zuge der Auseinandersetzung mit den Anfängen des Tambourcorps Ahden überraschte die damit Befaßten am meisten die Erkenntnis, wie reich und vielgestaltig doch das Dorfleben in einer Zeit war, in der ansonsten Arbeit und täglicher Existenzkampf Leben und Alltag der Menschen bestimmten. Wie verarmt muß es dagegen heute erscheinen, wenn es trotz materiellen Wohlstands und viel freier Zeit immer schwerer wird, dörfliches Leben in Gemeinschaft aufrecht zu erhalten und zu bewahren. Diesen Kontrast von heute und damals auch den jüngeren Mitgliedern unserer Gemeinde vor Augen zu führen, die die ältere Lebensweise selbst nicht mehr kennen. ist - wie in der Einleitung bereits erörtert - ein zusätzliches Anliegen dieser Schrift. Aus diesem Grunde sei an dieser Stelle neben dem politischen und allgemeinen Geschehen in jenen Tagen unserer Vereinsgründung auch den Aktivitäten in Ahden ein Wort gewidmet.

Da dörfliches Leben und Vereinsleben auch heute noch eng miteinander verquickt sind, wollen wir unseren Ausführungen einen kleinen Überblick über die Vereinslandschaft in Ahden vor der Gründung des Tambourcorps voranstellen. Abgesehen von dem größten und für das Dorfgeschehen sicherlich wichtigsten Verein, dem 1836 gegründeten Schützenverein Ahden, dessen 150. Jubiläum wir im letzten Jahr feiern konnten, gab es auch schon sehr früh eine Vielzahl weiterer, vorwiegend katholischer Vereine, die das Leben in Ahden mitbestimmten. Schon vor dem ersten Weltkrieg besaß Ahden neben der seit 1907 bestehenden Freiwilligen Feuerwehr den Bonifatius- und Xaveriusverein sowie eine Gruppe des Volksvereins für das katholische Deutschland. 1913, als in Ahden 539 Einwohner, davon 1 Protestant, lebten, zählte der Bonifatiusverein 50, der Xaveriusverein 13 und der katholische Volksverein 34 Mitglieder.

Höhepunkt des Jahres war für die ganze Gemeinde unbestritten das Schützenfest, das abgesehen von den Kriegsjahren 1915 bis 1918 jährlich gefeiert wurde. Obwohl die Kosten für die Festkapelle, ihren Transport und evtl. auch einmal für eine Kiste Zigarren, die vor dem Ersten Weltkrieg rund 170, danach 500 Mark betrugen, aus heutiger Sicht schon relativ hoch erscheinen (im Vergleich dazu belief sich die nach dem Ersten Weltkrieg zu entrichtende 'Lustbarkeitssteuer' im Jahre 1919 auf ganze 19 RM), so war der Musikverein aus Kallenhardt trotzdem ein immer wieder gern gesehener Gast. Von 1908 bis 1920 begleitete er den Ahdener Schützenzug als einzige Kapelle und von 1932 bis 1939 zusammen mit dem inzwischen gegründeten Tambourcorps.

Unbeirrt vom teilweise recht turbulenten Geschehen im Reich, das zu Eingang angedeutet wurde, sind die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg in Ahden von erstaunlicher Aktivität erfüllt. Der Tendenz jener Zeit entsprechend nahmen auch in unserem Ort Spiel, Gesang, Frohsinn und Geselligkeit großen Raum im ansonsten eher kärglichen Alltag der Bevölkerung ein. Kennzeichnend dafür steht nicht zuletzt das Wirken des eingetragenen Theatervereins mit dem bezeichnenden Namen 'Humor'. Mit seinen von Lustspiel bis Drama alle Gattungen abdeckenden Aufführungen nahm er zwischen den beiden Weltkriegen einen festen Platz im Veranstaltungskalender nicht nur der Ahdener, sondern auch der umliegenden Ortschaften ein.

Zentrum der meisten Aktivitäten im Dorf war die Schützenhalle, die trotz ihrer ansonsten einfachen Ausstattung (der Fußboden bestand aus festgestampftem Lehm) immerhin eine Bühne besaß und für Aufführungen und Veranstaltungen aller Art genutzt wurde. Neben dem Theaterverein, der sie abgesehen vom Schützenverein für seine Proben und Vorstellungen am häufigsten frequentierte, fanden in ihr bereits 1920 mehrere Zirkusvorstellungen (welcher Art auch immer) sowie während und nach dem 2. Weltkrieg häufig Filmvorführungen statt. Sie diente den Mitgliedern des DJK (Deutsche Jugendkraft e.V. = eine urspgl. katholische reichsweite Sportorganisation) ebenso wie den anderen Vereinen, z.B. der Freiwilligen Feuerwehr, der örtlichen Frauenschaft und schließlich auch dem Tambourcorps zu Vereins- und Übungszwecken. Vor allem aber benutzte die Ahdener Jugend die Halle, um beispielsweise Tanzkurse abzuhalten oder sonntägliche Tanztees zu veranstalten, bei denen die Getränke selbst mitgebracht werden mußten. Wie in vielen anderen Gemeinden jener Zeit, z.B. im Nachbardorf Wewelsburg, pflegte man auch in Ahden in besonderer Weise die Zither- und Mandolinenmusik. Neben einer vom damaligen, musikalisch stark engagierten Dorflehrer Voß zusätzlich zum Schulchor betreuten Kindergruppe existierte in unserer Gemeinde auch ein Mandolinenklub für interessierte Männer und Frauen, die sich abends und vor allem an Wochenenden mit ihren Instrumenten Zither, Mandoline, Geige und Gitarre trafen, um z.B. auf langen Wanderungen in die Umgegend gemeinsam zu singen und zu musizieren. Daß auch der Ahdener Gesangsverein, der zu dieser Zeit unter der Leitung der Lehrers Voß ebenfalls tätig war, auch über die heimischen Grenzen hinweg Gefallen und Gehör fand, läßt sich aus der Tatsache schließen, daß der "Gemischte Chor Ahden" vom Kreis Büren zu der feierlichen Wiedereröffnung der benachbarten Wewelsburg am 31. Mai 1925 eingeladen wurde, vor zahlreichen Ehrengästen das Heimatlied "Mein Sauerland" von H. Lehmann vorzutragen.

Das kurze Bild, das bis hierhin vom dörflichen Leben in Ahden zwischen den beiden Weltkriegen, in den 20er und 30er Jahren, zu zeichnen versucht wurde, erhellt in ganz unvermuteter Weise auch die Anfänge des Tambourcorps, die vor eben jenem Hintergrund zu sehen sind und deren Einzelheiten wir uns im folgenden zuwenden wollen.

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