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Das Tambourcorps Ahden von seinen Anfängen bis zum 2. Weltkrieg

Wie die bisherigen Ausführungen zeigen, fällt die Gründung des Tambourcorps Ahden in eine Zeit, in der in Ahden trotz oder gerade wegen der allgemeinen Zustände im Reich Fröhlichkeit, Geselligkeit, Musik, Tanz und Spiel in ganz besonderer Weise gepflegt wurden.

Schützenfest in Ahden vor Gründung des Tambourcorps (Anfang er 20er Jahre)

 


Wenn wir heute das 60-jährige Bestehen unseres Vereins feiern können, so geht das nicht auf den genau datierbaren, konkret gefaßten Entschluß einiger Männer zurück, in Ahden einen Spielmannszug zu gründen. Vielmehr nehmen wir ihr erstes öffentliches Auftreten im Jahr 1928 zum Anlaß, die Gründung eines Vereins zu feiern, dessen Anfänge auf jeden Fall ein bis zwei Jahre früher liegen. Es ist der persönlichen Initiative von Johannes Behler zu verdanken, der bei einigen anderen jungen Männern unseres Ortes schnell die Begeisterung weckte, gemeinsam mit ihm nach dem Vorbild einiger Nachbarorte auch in Ahden ein eigenes Tambourcorps zu gründen, daß man sich zu einem derartigen Verein zusammenfand. Auf seine Anregung hin fassten sieben musikbegeisterte junge Ahdener auf dem Schützenfest 1927 im Beisein und mit Zustimmung des damaligen Pfarrers Prof. Dr. Friedrich Naarmann (1865-1935) im Speisesaal der Schützenhalle den Entschluss, fortan mit einer eigenen "Knüppelmusik" zur Verschönerung dieses und ähnlicher Feste im Ort beizutragen.

Johannes Behler, Johannes Danne (Brunen), Josef Finke (Hüsters), Heinrich Finke (Girlen), Heinrich Grewe (Schmidts), Johannes Grewe (Brüggemanns) und Johannes Röhring (Knechts), - letzterer war schon bald anstelle von Johannes Henke (Kemper) in die Reihe der ersten Aktiven in der Vereinsgeschichte des Tambourcorps gerückt - waren die Männer, die sich fortan darum bemühten, ihre vom eigenen Geld gekauften und für damalige Verhältnisse äußerst kostspieligen Instrumente zu beherrschen. In der Anfangsphase mit nur zwei Trommeln und vier Flöten ausgestattet, traf man sich zum Üben in der ersten Zeit zunächst freitags abends bei Johannes Behler, später dann Sonntags morgens in der Schützenhalle oder einer der Gaststätten Lottmann oder Westermeier. Anleitung und Unterstützung bei der Aus - und Weiterbildung der Trommler und Flötisten erhielten die Ahdener in der ersten Zeit von dem Bürener Juden Siegfried Silberberg, Ausbilder und zeitweiliger Tambourmajor auch des Wewelsburger Spielmannszuges,vor allem aber durch Julius Flottmeier aus Brenken. Den Kontakt zu dem vielseitig begabten Musiker, der wie Johannes Röhring, welcher später den Hauptteil der Ausbildung in Ahden übernahm, Flöte und Trommel gleichermaßen beherrschte, hatte man über die mit Flottmeiers verwandte ehemalige Brenkener Gastwirtschaft Reineke hergestellt. Damals und noch lange Jahre danach war sie das Ausflugsziel für einen Großteil der Ahdener Bevölkerung uns somit auch für die Mitglieder des Tambourcorps allem an Sonntagnachmittagen

Mußten in der Anfangsphase einige Musiker, wie Johannes Röhring noch schmunzelnd zu berichten weiß, wegen des lautstarken Protestes von Familien und Nachbarn mit ihren Instrumenten hin und wieder auch einmal auf den Heuboden oder in die Einsamkeit von Wald und Flur ausweichen, so war das in der Folgezeit meist Sonntag morgens in der Halle abgehaltene Üben (Der Schützenverein erhielt dort schon im Januar 1928 eine kleine Miete), bald schon so erfolgreich, daß man im Frühjahr des Jahres 1928 beschloß, sich aus Anlass eines Musikerfestes im Benachbarten Oberntudorf erstmals der Öffentlichkeit vorzustellen. Johannes Behler, der - obwohl von Haus aus eigentlich Trommler - die Rolle des ersten Tambourmajores in der Vereinsgeschichte übernommen hatte, erlernte die richtige Handhabung des Tambourstocks bald von Heinrich Meschede, welcher ihm als ehemaliger Tambour einer Militärkapelle Stockbewegungen und -einsatz kompetent vermitteln konnte. Die Frage der kostspieligen Uniformen löste man durch das zu jener Zeit durchaus übliche Aufnähen von Schwalbennestern auf die "gute" Anzugsjacke. Zusammen mit einer weißen Hose, weißen Fliege und den schon bald angeschafften grünen Mützen bildeten sie, so umfunktioniert, noch bis 1950 die Uniform des Tambourcorps Ahden.

Der erste öffentliche Auftritt, zu dem sich das neugegründete Tambourcorps Ahden vor nunmehr 60 Jahren mit ganzen sieben Mann (Tambourmajor Johannes Behler, den Flötisten Johannes Danne, Heinrich Finke, Johannes Grewe und Johannes Röhring und den Trommeln Josef Finke und Heinrich Grewe) zu Fuß aufgemacht hat, begeisterte die Zuhörer und Veranstalter derart, daß man dem neuen Verein aus Ahden als einzigem von allen Anwesenden ein kleines Präsent überreichte. Zu der besonderen Leistung, die diese kleine Musikgruppe bei dem Konzert mit dem zweistimmig (!) gespielten Liebenmarsch erbracht hat, gratulierte ihr anschließend der Oberntudorfer Vereinsvorsitzende mit den Worten, es habe sich angehört, als hätten sie mit 20 Musikern und nicht nur mit 7 gespielt. Von dem Erfolg in Oberntudorf beflügelt, berichtete Johannes Behler noch Jahrzehnte später, man habe gleich mit dem ersten Auftritt den 1. Preis bei einem "Musikerwettstreit" errungen.

Wie auch gewesen sein mag, auf jeden Fall war mit dem Auftritt in Oberntudorf im Jahre 1928 die Generalprobe bestanden und das Tambourcorps Ahden endgültig etabliert. In der Folgezeit hat es sich schließlich zu einem wichtigen Bestandteil des Ahdener Gemeinde- und Vereinslebens entwickelt, in dem das jährliche Heimatschützenfest damals wie heute eine zentrale Rolle einnimmt. Gemeinsam mit den wechselnden Musikkapellen sorgte das "Trommlercorps", wie es vor dem 2. Weltkrieg immer genannt wurde, für die musikalische Gestaltung der Schützenfesttage und des Festzuges. Den Ausmarsch, Dessen wichtigster Bestandteil zu aller Zeit die traditionelle Parade bildete, hatte man natürlich bis zur Perfektion in "Kronen Wiese" im Heck geprobt, und noch heute erinnern sich die Aktiven des Tambourcorps alljährlich vor Schützenfest schmunzelnd an die dabei von Johannes Behler geprägeten Worte:

"Angenommen, ich sin der Künig und jei marschiert an mei vorbei..."

 

 

Der Tambourcorps mit dem Kallenhardter Musikverein

War lange Jahre der Musikverein aus Kallenhardt für die Tanz- und Marschmusik in Ahden verantwortlich (vor 1928, 1925 und von 1932 bis 1939), so entschied man sich im Ahdener Schützenverein in den Jahren 1922 bis 1924 und von 1929 bis 1931 immer wieder für die Stadtkapelle Brakel unter der Leitung von August Benstein. Eine Ausnahme bildeten die Jahre 1921 und 1926, in den zwei Paderborner Kapellen, 1921 mit dem Trompeterkorps des Reiterregiments Nr. 15 sogar ein bekannte Militärkapelle, verpflichtet wurden. Ob man Brakel anstelle der lang bewährten Kallenhardter Musik verpflichtete, weil diese sich auch schon seit Jahren im Nachbarort Wewelsburg bewährt hatte (der Brakeler Kapellmeister August Benstein war mit Johannes Wieseler, dem Gründer des Wewelsburger Spielmannszuges, verwandt, der während seiner beruflichen Ausbildung in Brakel dort auch seine ersten Erfahrungen als Trommler gemacht hat) oder aufgrund der Vermittlung des von Ahden nach Brakel verzogenen Heinrich Ebers (Kronen), geht aus den Büchern des Schützenvereins nicht hervor. Zum Schützenfest des Jahres 1928, dem Jahr des ersten Auftretens vom Ahdener Tambourcorps,hatte der Schützenverein zum ersten Mal den 10-köpfigen Musikverein aus Brenken verpflichtet, nachdem dieser bereits auf dem Herbstball des Vorjahres zu Gast gewesen war. Um einmal die Größenordnung eines Schützenfestes Ende der 20er Jahre zu verdeutlichen, sei an dieser Stelle auf die Zahl der laut Schützenvereinskassenbuch verkauften Karten hingewiesen. Danach konnten im Jahre 1928 am 17.06., dem ersten Schützenfesttag, 77 Herrenkarten zu einem Preis von 1,50 RM und 33 Damenkarten á 1 Mark und am 18.06., dem zweiten Tag, noch einmal 16 Herren- und 8 Damenkarten verkauft werden. Nur drei Jahre später setzte man bereits die beachtliche von 252 Herrenkarten gegen ein Entgeld von 1,25 RM und 118 Damenkarten für 0,75 RM ab und 1934 auf dem am 1. und 2. Juli gefeierten Heimatfest, bei dem der Eintritt für Männer 1 RM, für Frauen 0,50 RM betrug, ebenfalls stattliche 238 Herren- und 118 Damenkarten.

Ende der 30er Jahre

Das "Trommlerkorps Ahden", wie das Tambourcorps während der ganzen Vorkriegszeit in den Büchern des Schützenvereins bezeichnet ist und von dem im Jahr 1932 erstmals "besondere Beiträge" (7 Personen á 2 RM) eingesammelt wurden, konnte nicht nur seinen personellen Bestand steigern - namentlich bekannt aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg sind neben den Gründern Franz Meier (Schotüns), Josef Gewe (Brüggemann), Anton Hüser, Josef Füser sowie Anton und Hermann Kemper - ,sondern auch sein musikalisches Können. Zum Teil durch Kauf, zum Teil durch Austausch mit anderen Vereinen hat man eine Vielzahl neuer Märsche erworben, die schon damals nach Noten, vorwiegend von Johannes Röhring, eingeübt wurden. Neben dem Torgauer Marsch, Liebenmarsch, Waidmannsheil, Coburger Marsch, Preußens Gloria, Regimentsgruß, Rheinklänge, Soldatenmut, Revuemarsch, Unter dem Grillenbanner und anderen Märschen, die der Verein auch heute noch spielt, beherrschten die Aktiven des Tambourcorps darüber hinaus noch einige mehr, deren Kenntnisse inzwischen jedoch leider verloren gegangen ist (z.B. die Märsche Alte Kameraden und Hochheidecksburg). Unter der Leitung von Franz Meier, der Johannes Behler Anfang der 30er Jahre als Tambourmajor ablöste und den Verein bis zum 2. Weltkrieg anführte, spielte man nicht nur auf verschiedenen Musikerfesten in der Umgebung und zu dörflichen Anlässen, sondern auch als Festkapelle auf dem Brenkener Schützenfest. Unbestrittener Höhepunkt in der noch jungen Vereinsgeschichte war indes das 100-jährige Jubelfest des Schützenvereins Ahden, das vom 10. bis zum 12. Juli 1937 unter großer Beteiligung der Bevölkerung und zahlreicher auswärtiger Vereine feierlich begangen wurde. Zusammen mit dem Musikverein aus Kallenhardt, der nach dem Gastspiel der Stadtkapelle Brakel, von 1932 bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges ununterbrochen als Festmusik fungierte, führte das Tambourcorps einen Schützenzug an, in dem laut Bürener Zeitung "zahlreiche Kameraden aus dem Bürener Lande, die durch nachbarliche Beziehungen den Ahdenern verbunden waren" marschierten:

"Die beiden Vereine aus Büren, die Upsprunger, die aus Niedern- und Oberntudorf rückten an, Brenken mit seiner vorzüglichen Kapelle und mehr als hundert Mann, auch die Wewelsburger kamen schneidig einmarschiert, und bald standen die Weiner neben denen aus Geseke."

100-jähriges Jubelschützenfest 1937

Über die gute Stimmung, die schon vor dem Fest bei den Mitgliedern des Tambourcorps wie bei allen anderen Ahdenern herrscht und die dazu verleitete, "an diesem Tag Sense, Hacke und Harke ruhen lassen und sich ganz der Gemütlichkeit und dem Frohsinn hinzugeben", berichtet das Westfälische Volksblatt in seiner Ausgabe vom 10. Juli 1937:

 

Ahden. 100 Jahre Schützenverein.

 

"Unser fernab vom Weltgetümmel liegendes Almedörfchen steht am Sonntag und Montag im Mittelpunkt einer besonderen Feier. An diesen Tagen kann unser Schützenverein auf ein 100 jähriges Bestehen zurückblicken. Und das ist wahrscheinlich Grund genug, um an diesen Tagen Sense, Hacke und Harke ruhen zu lassen und sich ganz der Gemütlichkeit und dem Frohsinn hinzugeben. Und es soll ein schönes, von echtem Heimatsinn zeugendes Fest werden. Die schöne feste Schützenhalle ist einer Neuausstattung unterzogen worden. Ein hundertjahr-Jubiläum soll aber auch Anlass sein, um mit stolzer Freude sich aller derer zu erinnern, die in dieser langen Zeitspanne im Verein gewirkt und geschaffen haben. Deshalb werden auch der größte Teil der fern der Heimat lebenden Ahdener sich zu diesem Jubelfest einfinden."

 

Auf dem Jubelfest, zu dem eigens ein 200 qm großes Zelt in der Wiese des Landwirtes Clausmeyer aufgeschlagen worden war, um die Massen zu fassen, wurden am 1. Festtag 102 Herrenkarten zu einem Preis von 1 RM und 145 Damenkarten gegen ein Entgeld von 0,50 RM, am 2. Festtag noch einmal 73 Herren- und 44 Damenkarten verkauft.

100-jähriges Jubelschützenfest 1937

Nach diesem außergewöhnlichen Heimatfest im Jahre 1937 konnte das Tambourcorps Ahden zusammen mit der Gemeinde noch zwei weitere Schützenfeste feiern (wenn auch 1938 wegen der allseits grassierenden Maul- und Klauenseuche etwas verspätet), ehe auch sein Vereinsleben durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 vollständig zum Erliegen kam und erst im Jahre 1947 wieder zu neuem Leben erweckt wurde. Der bis 1939 amtierende Tambourmajor Franz Meier fiel am 25. Juli 1943 in den Wirren des Krieges. So bedeutete der 2. Weltkrieg, auch was die Führungsposition des Tambourcorps angeht, eine tiefe Zäsur im Vereinsleben.

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