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Die Zeit der Vereinsgründung aus weltpolitischer Sicht

Die Anfänge des Tambourcorps Ahden fallen in jene Phase der Weimarer Republik, die wegen der weltweiten Stabilisierung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse als Blütezeit der insgesamt nur so kurzlebigen Epoche in Erinnerung bleiben sollte. Sie ist noch heute gemeint, wenn man von den "Goldenen 20ern" spricht.

Nach den Krisenjahren der frühen Nachkriegsjahre, in der schwerste wirtschaftliche, soziale und finanzielle Probleme zu bewältigen waren und die junge Republik gegen Links- und Rechtsextremismus, Separatismus und außenpolitische Gefahren anzukämpfen hatte, bedeuteten die Jahre 1924 bis 1928 eine Zeit der innen- wie außenpolitischen Konsolidierung. Trotz des Fortbestehens einer Vielzahl von Belastungen aus den Anfangsjahren bestand in ihr durchaus Grund zu der Hoffnung, daß die durch Krieg und Untergang des Kaiserreiches aus den Fugen geratene Welt ein neues und besseres Gleichgewicht finden werde. Die Krisen der Nachkriegszeit verloren ihre Schärfe, es trat eine Beruhigung der politischen Verhältnisse ein, und in vielen Ländern zeichnete sich eine wesentliche Besserung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage ab. Der sich vollziehende Wandel von der Depression zum Aufschwung und gar zu einem Wohlstand, wie ihn die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte, grenzte fast ans Wunderbare. Hinzu kam eine vor allem mit dem Namen Gustav Stresemann verbundene außenpolitische Entspannung zwischen den Siegern und Besiegten des Ersten Weltkrieges, die ihren sinnfälligsten Ausdruck in den Locarno-Verträgen und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 1926 fanden.

Unter den innen- und sozialpolitischen Aktivitäten dieser Zeit ragte das am 7.7.1927 verabschiedete 'Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung' heraus, das jedem "unfreiwilligen" Arbeitslosen erstmals ein gesetzlich festgelegtes Recht auf eine Unterstützung gewährte. Letztere begann mit 6 Mark bei 10 Mark Wochenlohn bis maximal 22,05 RM für Löhne über 60 RM und wurde normalerweise bis zu 26, bei ungewöhnlich schlechten Arbeitsmarktverhältnissen auch bis zu 39 Wochen gewährt. Zusammen mit dem System der Tarifverträge stellt dieses Gesetz die Krönung des sozialpolitischen Werkes der Weimarer Republik dar.

Trotz dieser scheinbar so positiven Zustände warnte Stresemann schon gegen Ende des Jahres 1927 vor einer allzu großen Euphorie über die Entwicklung in Deutschland und deutete damit bereits die Ereignisse ab 1929 an, in der die noch so junge und unfertige Republik durch die zahlreichen antidemokratischen und radikalen Kräfte und verstärkt durch die von Amerika ausgehende Weltwirtschaftskrise ihrem Zerfall entgegenging.

Zwischen der Zeit der Hochphase der Weimarer Republik und ihrem Untergang liegt jedoch das Jahr 1928, das Jahr, in dem in Ahden einige junge Männer unbelastet vom politischen Weltgeschehen den Grundstein für einen Verein legten, der bis heute ein wesentlicher Bestandteil des Ahdener Gemeinde- und Vereinslebens geblieben ist. Dem Zeitgeschehen in seinem Gründungsjahr wollen wir uns im folgenden zuwenden.

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