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Zeit des Neugeginns nach dem 2. Weltkrieg

Das Tambourcorps beim 1. Nachkriegsschützenfest

Als das Tambourcorps Ahden im Jahre 1947 seine Tätigkeit nach der durch den 2. Weltkrieg bedingten achtjährigen Zwangspause wieder aufnahm, stand es am Beginn einer Entwicklung, in deren Verlauf es endgültig zu einem Verein wurde, der aus dem Ahdener Dorfleben nicht mehr wegzudenken ist.

Steigende Mitgliederzahlen geben davon ebenso Ausdruck wie die Tatsache, daß erst seit dieser Zeit schriftliche Aufzeichnungen in Form von Kassen- und Inventarbüchern sowie Vereinssatzungen vorhanden sind. Begonnen hat der zweite Abschnitt in der Geschichte des Tambourcorps Ahden im Herbst/Winter 1947/48, als eine Gruppe musikbegeisterter junger Männer um Johannes Röhring und Hermann Kemper die Instrumente und das Spiel wieder aufnahmen. Johannes Röhring, Mitgründer des Tambourcorps im Jahre 1928, war es vor allem, der zusammen mit seinem einzigen Vereinskameraden aus den Vorkriegstagen, Hermann Kemper, einige junge Leute um sich scharte, um die musikalische Tradition des Ahdener Tambourcorps von 1939 wieder aufzugreifen und fortzusetzen. Die Begeisterung, mit der sich die Musiker Heinz Becker (Bümmels), Franz-Josef Ebers (Kronen), Rudi Karthaus, Hermann Kemper, Franz Meier, die Brüder Bernhard und Konrad Müller, Alois Rampelmann, Wennemar Prante und Johannes Röhring auf das erste Nachkriegsschützenfest in Ahden vorbereiteten, zeigt sich z.B. daran, wie sie das Problem des Übungsraumes bzw. der Heizung desselben lösten. Um es bei den Proben im Küchenraum der Schützenhalle wenigstens einigermaßen warm zu haben, brachte jedes Mitglied ein paar Splitten Holz mit, mit denen dann der vorhandene Ofen und somit auch der Raum geheizt werden konnten. Vorwiegend Sonntag morgens trafen sie sich hier, um die z.T. noch vorhandenen, z.T. von Hermann Kemper neu aufgeschriebenen Märsche zu erlernen. Hat Johannes Röhring, der das Trommel- ebenso wie das Flötenspiel beherrscht, zunächst in beiden Instrumenten ausgebildet, so beschränkte er sich später mit Hermann Kemper auf die Flötisten, während Franz-Josef Ebers die Trommler anlernte.

Mit zunehmender Normalisierung des Alltags, die erst nach der Währungsreform vom 21. Juni 1948 zügiger voranschritt, konzentrierte man sich in diesen Tagen des Jahres 1947 im Tambourcorps wie in der ganzen Gemeinde auf den kommenden Höhepunkt in der kurzen Nachkriegszeit, auf das erste Schützenfest seit Kriegsende, das in Ahden am 19. und 20. Juli 1948 gefeiert wurde. Selbstverständlich wirkte hier wie auf dem diesem voraufgehenden Vogelschießen am 30. Mai des Jahres neben der Musikkapelle aus Büren auch das Ahdener Tambourcorps mit. Die Leitung des Vereins hatte dabei erstmalig Bernhard Müller, der Bruder unseres heutigen Tambourmajors Konrad Müller, übernommen, der den Verein als Nachfolger für den im Krieg gefallenen Franz Meier bis 1952 anführte.

Schützenfest 1949

Einen guten Eindruck von der besonderen Bedeutung dieses ersten Schützenfestes nach dem Krieg für die Ahdener Bevölkerung vermittelt die Gemeindechronik, in der folgendes darüber berichtet ist:

Zum ersten Male nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier das Heimatfest (Schützenfest) wieder gefeiert, ... nachdem die englische Militärregierung diese wieder genehmigt hatte, aber ohne Degen und militärische Rangabzeichnungen. Also nur 'Schulter das Gewehr' (Holzgewehr). ... Da der alte König im Kriege gefallen war, wurde 5 Wochen vorher der Vogel mit Keulen, die der Volksschule gehörten, abgeworfen um für den ersten Tag des Festes einen König zu haben. ... Für die Kinder war dieses erste Fest nach dem Kriege besonders etwas Neues, da sie ja neun Jahre lang so etwas nicht mehr gesehen hatten und viele es nicht kannten.

Gleichzeitig kennzeichnend für viele Feste der Nachkriegszeit nicht nur in Ahden und hinweisend auf die weit verbreitete Sitte des Schwarzbrennens - wegen des Mangels an Alkohol bzw. wegen dessen schlechte Qualität war die eigene Herstellung z.B. von Holundersekt, Weizenkorn oder Obstler beinahe üblich - ist folgender Auszug aus der Gemeindechronik Ahden zum Verlauf des Schützenfestes:

Bei dem schlechten Bier wollte erst gar keine Stimmung aufkommen, aber als der selbst gebrannte, sogenannte 'Eigenheimer' so allmählich zum Vorschein kam, wurde es heiter. Die miese Stimmung war auf einmal vorbei.

Die Freude des damaligen Ortschronisten Bernhard Schweins über das erste Schützenfest im allgemeinen und den ersten Ausmarsch nach dem Krieg im besonderen war so groß, daß er seinen Ausführungen in der Chronik nicht nur ein Photo von der Parade des Jahres 1948 beigefügt, sondern diese gar mit (Original-)Noten und Text des als 'Parademarsch' bekannten 'Petersburger Marsches' versehen hat.

Mit den neun Mitgliedern des Tambourcorps Ahden, die damals pro Mann 15 Mark vom Schützenverein erhielten, feierte das ganze Dorf ausgelassen zu den Klängen der Bürener Musikkapelle. Laut Kassenbuch des Schützenvereins wurden allein am ersten Festtag 158 Herrenkarten a' 2 und 162 Damenkarten a' 1 Mark und am zweiten noch einmal 200 Herren- und 179 Damenkarten verkauft.

Nach diesem für das Tambourcorps wie für die ganze Gemeinde Ahden erfolgreich verlaufenen Fest feierte auch der Spielmannszug dadurch ermutigt, schon bald darauf sein erstes Musikerfest. Dazu empfing es als einzigen Gastverein das Tambourcorps Edelweiß aus der Nachbargemeinde Wewelsburg zum Ausmarsch und anschließenden Konzert auf der Halle.

Zeigte sich schon in diesen ersten Festen der Gemeinde Ahden der Optimismus und die Lebensfreude früherer Tage, so noch viel stärker in den allmählich wieder- bzw. neu auflebenden Gruppen und Vereinen des Dorfes, welche nicht nur Traditionen der Vorkriegszeit wieder aufnahmen, sondern auch die Stimmung der Nachkriegszeit ausdrückten: Die Theatergruppe, die im Winter 1948/49 mit dem Stück 'Die Talmühle' an frühere Tätigkeiten wieder anknüpfte, gehörte unter der bewährten Leitung von 'Opa Weerth' auch in den 50er Jahren wieder zu einer der aktivsten Gruppen des Dorfes. Bis einschließlich 1956 sind zahlreiche Theateraufführungen in der Schützenhalle belegt, zu denen die Bewohner auch aus den umliegenden Ortschaften herbeiströmten. Wie schon in den 20er und 30er Jahren existierte in Ahden auch jetzt wieder ein Sängerkreis, welcher neben dem Tambourcorps und einer anderen Gruppe, die im folgenden beschrieben wird, die Musik pflegte. Ein besonderes Beispiel für die allgemeine Wertschätzung in Ahden von Musik, Frohsinn und Tanz, die auch die Grundlage für das frühere Zither- und Mandolinenorchester gebildet hat, war auch die nach dem 2. Weltkrieg, vor allem in den 50er Jahren aktive 'Edelweiß-Combo'. Die fünf Mitglieder dieser Kapelle, von denen drei dem Ahdener Tambourcorps angehörten, spielten mit ihren Instrumenten Akkordeon (Hermann Kemper, Rudi Karthaus, Johannes und Wilhelm Röhring) und Schlagzeug (Julius Stein) nicht nur an den Theaterabenden, sondern vor allem - und daher dürften sie den meisten älteren Ahdenern noch am ehesten in Erinnerung sein - sonntags nachmittags in der Schützenhalle zum Tanz auf. Zu dieser privaten, allein der Spielfreude der Bandmitglieder entsprungenen Veranstaltung kamen neben den Ahdenern auch zahlreiche Besucher aus Brenken und Wewelsburg, die sich zu den Klängen der Musik an die Tische setzten, ihre mitgebrachten Speisen und Getränke verzehrten, sich unterhielten und hin und wieder das Tanzbein schwangen. Der Name 'Edelweiß', den übrigens zur gleichen Zeit das Wewelsburger Tambourcorps wählte und den diese zusammen mit der Blasmusik heute noch trägt, entstammte den damals überaus beliebten und modernen 'Edelweiß-Liedern', die in jener Zeit allerorten gespielt und gehört wurden.

Wie sich hieraus bereits schließen läßt, waren die 50er Jahre nicht nur in der Gemeinde, sondern auch im Tambourcorps Ahden von reger Aktivität erfüllt. So hat man im Corps 1950 die bis dahin üblichen, mit Schwalbennestern versehenen Anzugsjacken abgeschafft und durch eigene neue Uniformen ersetzt. Passend zu den vorhandenen Mützen und Schwalbennestern wählten Franz-Josef Ebers und Hermann Kemper, die mit der Auswahl der neuen Uniform betraut waren, die Jacken in den Vereinsfarben grün-rot-gold, wie sie noch heute getragen werden. Mit diesen neuen Uniformen spielte das Ahdener Tambourcorps in der Folgezeit dann nicht nur auf den heimischen Schützenfesten und dem jährlichen Kreisschützenfest des Kreises Büren, bei dem es von Anfang an regelmäßig teilnahm, sondern auch auf außerörtlichen Schützen- und zahlreichen Musikerfesten. Zusammen mit der Musikkapelle Upsprunge gestaltete es das Ahdener Heimatfest in den Jahren 1951 und 1952, mit Kallenhardt, der altbewährten Kapelle aus der Zwischenkriegszeit, von 1953 bis 1955, und gemeinsam mit dem Brenkener Musikverein von 1956 bis 1981. Eine Ausnahme bilden lediglich die Jahre 1964 bis 1967, in denen die Harther (Vogelschießen 1964), die Upsprunger (Schützenfeste 1965/67) und auch einmal die Siddinghäuser Kapelle (Vogelschießen 1967) in Ahden zu Gast waren.

Die Kriterien, nach denen die Frage entschieden wurde, welche Festkapelle auf dem Ahdener Schützenfest spielen sollte, zeigt ein Ausschnitt aus dem Protokoll der Generalversammlung des Schützenvereins von 20. Januar 1953 auf:

Danach wurde die Musikfrage angeschnitten. Hier folgte eine angeregte Debatte. Der eine war für die, der andere für jene Musikkapelle. Der Kernpunkt war die Geldfrage, dies wurde klargelegt. Schließlich einigte man sich darauf daß König Berhard Schweins sofort bei der Kallenhardter Musikkapelle anrufen solle, ob diese noch für den 14./15. Juni frei wäre.

Daß die Beteiligung am jährlichen Hauptfest der Gemeinde, dem Schützenfest, nicht nur für die Mitglieder des Tambourcorps als eine Ehrenpflicht angesehen wurde, von der man nur durch einen triftigen Grund befreit werden konnte, zeigt ein Antrag aus der Generalversammlung des Schützenvereins vom 20. 1. 1952:

Zu Punkt III Verschiedenes wurde von den Vereinsmitgliedern der Antrag gestellt, Schützen, die fernblieben, verreisten oder aus sonst "nicht triftigen Gründen, das Fest nicht mitmachten", mit einer Strafe von 25 DM, Vorstandsmitglieder in solchen Fällen gar mit einer von 50 DM zu belegen. Auch solle künftig jedes Mitglied eine schriftliche Entschuldigung beim Schriftführer einreichen, die dann dem Vorstand zur Begutachtung vorgelegt würde. Dieser Punkt wurde ... durch Stimmenmehrheit angenommen.

Als ein Beispiel dafür wie die Schützenfeste in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis 1965 unverändert abliefen, sei das dafür typische Protokoll vom Schützenfest aus dem Jahre 1957 angeführt:

Verlauf unseres Schützenfestes 1957. Unser diesjähriges Schützenfest wurde am 29. 6. 1957, 8 Uhr abends durch einen Zapfenstreich durch die Gemeinde eröffnet. Am Sonntag, den 30. 6., 5 Uhr früh Wecken, 14.30 Uhr Antreten in der Festhalle, 3 Uhr Abmarsch von der Festhalle zum Abholen der Fahne, Ehrenmitglieder und des Königspaares. Kranzniederlegung und Ansprache des Oberst am Ehrenmal. Anschließend Parade vor dem Königspaar, Rückmarsch zur Festhalle und Königstanz. Anschließend frohes Beisammensein mit Musik und Tanz bis in den frühen Morgen. Montag, 7 Uhr früh, Antreten zum Festgottesdienst. Danach Parade vor dem Oberst, Abholen der Ehrenmitglieder und des Königspaares, dann Abmarsch zum Vogelschießen. ... Die Festfolge ging weiter wie am vorherigen Tage. Das Fest verlief in guter Harmonie und fröhlicher Stimmung bis in den frühen Morgen.

 (Wer das damalige Programm mit dem heutigen vergleicht, wird sich nach dieser Schilderung wohl kaum mehr über ein Zuviel an Marschwegen beklagen, zumal auch das normale Leben seit jener Zeit nicht gerade beschwerlicher geworden ist.)

Musikerfest Hegensdorf 1957 mit Ehrendamen

Das Ahdener Tambourcorps gestaltete jedoch nicht nur das heimatliche Schützenfest mit, es war auch schon bald ein gern gesehener Gast auf auswärtigen Festen. Neben den zahlreichen Musikerfesten, an denen die Ahdener wie viele andere Musikvereine der Umgebung bis heute teilnehmen, hat man den Spielmannszug aus Ahden schon in den Jahren 1949/50 zum Schützenfest nach Siddinghausen eingeladen. Zusammen mit dem Musikverein Brenken spielte es von 1948 bis weit in die 50er Jahre hinein auch auf dem Harther Jahreshauptfest als Festkapelle. Gern erinnern sich die älteren Mitglieder im Tambourcorps daran, wie sie mit dem sog. 'Holzvergaser', einem mit Holz angetriebenen LKW von Karl Hoffmeister aus Brenken, zum Schützenfest nach Harth hin- und mit dem Harther Feuerwehrwagen abends nach dem Ausmarsch wieder zurückgebracht wurden. Die Verbindung des Ahdener Vereins zum Schützenverein Harth, die durch die Verwandtschaft des Harther Vorstandsmitgliedes Heinrich Piel mit der Familie Michels (Bemmen) in Ahden zustande gekommen war und lange Jahre anhielt, fand ein allseits bedauertes Ende, als das Ahdener Tambourcorps wegen eines Trauerfalls in der Familie des Tambourmajors zu einem Schützenfest ausfiel und sich der Schützenverein Harth um Ersatz bemühen mußte. - Von den vielen Musikerfesten, die vom Tambourcorps in den 50er Jahren darüber hinaus besucht wurden und zu denen es anfangs mit dem Wagen des Ahdener Milchfahrers Kaddereit, später von Lottmann (Bentlers) und Hegers gefahren wurde, ist naturgemäß das allererste nach dem Krieg, welches 1950 in Wünnenberg gefeiert wurde, allen Teilnehmern in besonderer Erinnerung geblieben. Auf diesem Fest, erhielten sie zum ersten Mal die Anregung, die sie dann auf ihrem eigenen Musikfest im Jahre 1959 wieder aufgriffen, nämlich sog. 'Ehrendamen' einzusetzen, die jeden Verein zu zweit während des Festzuges begleiteten.

Das gerade schon kurz angesprochene Musikerfest in Ahden von 1959 feierte das Tambourcorps am Ende eines Jahrzehnts, in dem nach Krieg, Zusammenbruch und Wiederaufbau nicht nur Ruhe und Erholung in das Leben des Bürger eingekehrt waren, sondern in dem sich auch der Verein als solcher endgültig hatte festigen und stabilisieren können. - War man im Jahre 1948 mit 9 Mann angefangen, so hat sich bis zum Ende der 50er Jahre die Zahl der aktiven Mitglieder mehr als verdoppelt. Von 1950 an besitzt das Tambourcorps als äußeres und sichtbares Zeichen seiner Vereinstätigkeit und der Zusammengehörigkeit seiner Mitglieder eine Uniform, und ab 1954 hat es auch organisatorisch feste Formen angenommen: Seit dieser Zeit besitzt der Verein eine Art geschäftsführenden Vorstand, führt er schriftlich Buch, nimmt passive Mitglieder in seine Reihen auf, kassiert feste Beiträge (von Aktiven damals 6 DM und von Ehrenmitgliedern 4 DM) und hält jährliche Generalversammlungen - wechselweise in den beiden Gaststätten Lottmann und Westermeier - ab. Dem Zuwachs seiner Mitglieder entsprechend waren in jener Zeit zahlreiche Anschaffungen notwendig, die nicht allein durch die Mitgliederbeiträge und Einkünfte vom Ahdener Schützenfest bestritten werden konnten. Von daher kam den recht zahlreichen Aktivitäten des Vereins in Ahden fast immer eine Doppelfunktion zu. Einerseits waren die meisten Veranstaltungen Ausdruck der Freude der Vereinsmitglieder an Geselligkeit, Frohsinn und Gemeinschaft; andererseits trugen diese mit ihrem Erlös nicht zuletzt auch zur Finanzierung der vielen Uniformen und Instrumente bei.

Einen besonderen Raum nahm im Vereinsleben des Tambourcorps lange Zeit der Karneval ein. Schon seit dem ersten Jahr, aus dem schriftliche Aufzeichnungen über die Aktivitäten des Corps erhalten sind, wird von Fastnachtsfeiern berichtet, die der Verein danach noch fast 30 Jahre lang alljährlich für seine Mitglieder und die Gemeinde veranstaltete. Dabei war der in den ersten Jahren im Saal Westermeier, später in den Räumen der neuerbauten Hellweghalle stattfindende 'Faschingsball', bei dem man anstelle herkömmlicher Eintrittskarten Karnevalshüte erhielt, häufig verbunden mit einer Kostümprämierung und einer Verleihung von Faschingsorden an die Sieger. Wie die Zahlen der Kappenverkäufe belegen, erfreute sich diese Veranstaltung in Ahden wachsender Beliebtheit. Ein Grund mit, daß nach dem Bau der Hellweghalle in deren größere Räume ausgewichen wurde. Verkaufte man Anfang der 50er Jahre jeweils 30 bis 40 Hüte, so waren es zu Beginn der 60er, als ein Glas Bier 40 Pfg. kostete, schon 100 und später noch weitaus mehr Personen, die sich zu der Musik von Johannes Kleinschnittger, der z.B. 1963 für die musikalische Unterhaltung sorgte, oder zu den Klängen einer mehrere Jahre lang aufspielenden Band aus Brenken vergnügten. Ein anderer schöner Karnevalsbrauch des Ahdener Tambourcorps, der bereits vor dem 2. Weltkrieg gepflegt und auch noch lange danach fortgesetzt wurde, inzwischen jedoch leider ebenfalls eingeschlafen ist, war das Eier- und Würstesammeln am Rosenmontag. Jedes Jahr zogen die Mitglieder des Tambourcorps in Ahden von Haus zu Haus, sammelten von der Dorfbevölkerung Eier und Würste, um die Eier in der Gastwirtschaft Westermeier, in der man sich mit Frau oder Freundin abends wieder traf, gleich zu verzehren, während die guten Hausmacherwürste amerikanisch versteigert wurden und mit ihrem Erlös den Grundstock für die Getränke bildeten.

Die gute Gemeinschaft und der Zusammenhalt unter den damaligen Mitgliedern (Bernhard Ahlers, Heinz Becker (Bümmels), Franz Büker, Herbert und Josef Finke, Adolf Henke, Anton Henneböhle, Hermann Kemper, Johannes, Heinrich und Franz Meier, Konrad Müller, Hugo Lottmann, Alois Rampelmann, Johannes Röhring, Toni Renner, Adolf Salmen, Franz-Josef Schweins) und Tambourmajor Johannes Hegers wird auch heute noch von den älteren und ehemaligen Angehörigen des Vereins hervorgehoben. Darauf deutet nicht zuletzt auch der Ausflug des Ahdener Tambourcorps für Mitglieder, Freunde und deren Partner dem Jahre 1951 nach Minden hin, der sicherlich als einer der Höhepunkte im Vereinsgeschehen gewertet werden kann. Die Fahrt zur Porta Westfalica mit Weserschiffahrt, Besuch des Schiffshebewerkes Henrichenburg und Abschluß im 'Weißen Rössl' in Paderborn bildete für alle Beteiligten ein Erlebnis besonderer Art, zumal, wenn man bedenkt, daß die nächste größere Fahrt des Tambourcorps erst 14 Jahre später erfolgen sollte.

Das wichtigste musikalische Ereignis in dem besprochenen Zeitraum war unbestritten das Musikerfest aus dem Jahr 1959. Hatte man das erste Nachkriegsmusikfest den Umständen der Zeit entsprechend noch in einem kleinen Rahmen gefeiert, so war das von 1959, mit dem das 30-jährige Bestehen des Tambourcorps festlich begangen wurde, ein passender Abschluß für das für den Verein wie für das ganze Dorf gleichermaßen erfolgreiche Jahrzehnt der 50er Jahre. In diesem Zeitraum konnte sich nicht nur das Tambourcorps als einziger Verein aus der Vorkriegszeit neben Schützenverein und Feuerwehr konsolidieren, sondern es wurden auch neue, z.T. ältere Traditionen wiederaufnehmende Vereine gegründet, die KLJB 1956 und der BSV Ahden 1958. Über das Musikfest in Ahden am 3. Mai 1959 berichtet die Ahdener Gemeindechronik:

Im Mai dieses Jahres feierte das Tambourcorps sein 30-jähriges Bestehen. Zahlreiche Spielmannszüge waren der Einladung gefolgt.

Daß das Fest, das sonntags morgens mit dem Wecken durch das Tambourcorps und einem Festhochamt begann, unter der musikalischen Gestaltung des Musikvereins aus Brenken und in den bewährten Händen des heimischen Gastwirts Lottmann, der die Schänke übernommen hatte, recht erfolgreich gewesen ist, beweist allein die Zahl von 185 Herren- und 95 Damenkarten, die zum abendlichen Festball verkauft werden konnten.

Vogelschießen im Dahl, Mitte der 50er Jahre

Aus Anlaß des 30-jährigen Jubelfestes erfolgte auch die bereits länger geplante Anschaffung von Pauke und Becken. Da die 68,80 DM allein für das Paar Becken und die 260 DM, die die Pauke schon ohne Gurte und Beckenhalter kostete, nicht allein durch die Mitgliedsbeiträge, Schützenfeste oder die Einnahmen aus den Karnevalsfeiern aufgebracht werden konnten, veranstaltete man kurzerhand eine Sammelaktion, bei der Mitglieder des Tambourcorps mit einer zur Sammelbüchse umfunktionierten Heringsdose von Haus zu Haus gingen und um eine Spende für den Kauf der Instrumente baten.

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